7.11.2007

Über das Schöne und warum das Schöne schön ist:


Zong De An, Le Temps, 1998. Papier bleu. 82 x 180 cm.

"An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten
Jahrhunderts, ein Roßhändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines
Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und
entsetzlichsten Menschen seiner Zeit. -- Dieser außerordentliche Mann
würde, bis in sein dreißigstes Jahr für das Muster eines guten
Stattsbürgers haben gelten können. Er besaß in einem Dorfe, das noch
von ihm den Namen führt, einen Meierhof, auf welchem er sich durch
sein Bewerbe ruhig ernärte; die Kinder, die ihm sein Weib schenkte,
erzog er, in der Furcht Gottes, zur Arbeitsamkeit und Treue; nicht
einer war unter seinen Nachbarn, der sich nicht seiner Wohltätigkeit,
oder seiner Gerechtigkeit erfreut hätte; kurz, die Welt würde sein
Andenken haben segnen müssen, wenn er in einer Tugend nicht
ausgeschweift hätte. Das Rechtgefühl aber machte ihn zum Räuber und
Mörder."
-- Heinrich von Kleist, Michael Kohlhaas (1811)

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